Pressestimmen

01.10.2013 – NWZ

Die Piaf lebt - 50 Jahre nach ihrem Tod

Christa Platzer in der Eislinger Stadthalle

Christa Platzer imitiert und singt Edith Piaf. Am Sonntag gastierte die Sängerin mit ihrer Band in der nahezu ausverkauft Eislinger Stadthalle.

EISLINGEN. Edith Piaf lebt. Vom ersten Lied weg stellt Platzer dies unter Beweis. Mit ihrem Aussehen, ihrer Gestik und am nachhaltigsten mit ihrer Stimme. Mal brüchig und knarzend, mal leidend, mal leidenschaftlich. Nach jedem Chanson wechselt die Sängerin hinüber an den Erzähltisch und berichtet episodenhaft von den Stationen des zerstörerischen Lebens der Piaf. Piaf war und ist ein Mythos, eine Legende. Einer zufolge soll sie in der Gosse auf dem Umhang eines Flics zur Welt gekommen sein. Am 19. Dezember 1915. Amtlich ist: Ihre Karriere begann auf der Straße. Der Kabarettbesitzer Louis Leplée brachte Edith, gerade mal 15-jährig, auf die Bühne. Er gab ihr den Namen "la môme piaf" (der kleine Spatz), unter dem sie groß wurde, körperlich aber nie über die 1,47 Meter hinauswuchs. Platzer braucht keine Showeffekte, um den Spatz von Paris wieder flattern zu lassen, steht meist ganz ruhig am Mikrofon, bewegt und schwingt selten die Arme, spielt nur mit der Stimme, singt kurzweilig einen Chanson nach dem anderen.
Vom Leben in einer unbekannten Stadt ("la ville inconnue"), von der Geschichte der Liebe ("la belle histoire de lamour") oder vom Regen in Hamburg "cest a Hambourg"). Edith Piaf besingt das Schicksal des Volks, und Christa Platzer stellt das, was die Piaf so bewegte, ausdrucksstark dar. Hit auf Hit. Nur Männer hat die Piaf wohl mehr gehabt. Darunter Georges Moustaki (von ihm stammt der Text zu "Milord"), Gilbert Bécaud, Yves Montand, der Rennfahrer Louis Gérardin, der Boxer Marcel Cerdan. Zu Piafs selbstzerstörerischen Lebenswandel kommen Arthritis, Alkohol und Drogensucht hinzu. Christa Platzer, die Sängerin, agiert respektvoll, lässt der Piaf immer den Vortritt, singt und agiert behutsam statt ihrer, benutzt de Piaf nicht einfach . . . Auch nicht beim von Chanson zu Chanson stärker anschwellenden Applaus.
Knapp zwei Stunden mit dem "Spatz von Paris" verfliegen im Nu. Hinten raus noch mehr Ohrwürmer. "Milord" eben, "Padam Padam" und natürlich "Non, je ne regrette rien". Platzer alias Piaf bedauert nichts. Auch für die 350 Zuhörer gab es keinen Grund, ihr Kommen zu bedauern. Minutenlange Standing Ovations waren der Beweis. Die Piaf lebt weiter. Dank einer Christa Platzer und ihrer Band.

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