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11.05.2013 – Altmark Zeitung

Christa Platzer verbeugte sich im Kurhaus vor Edith Piaf anlässlich deren 50. Todestages

Ein Abend im Zeichen der großen französischen Chansonette

BAD BEVENSEN. "Das Chanson und die Liebe sind für mich eins", hatte Edith Piaf gesagt und ihre Lieder gesungen, die nach Kurt Tucholsky "Welttheater in drei Minuten" sind. Die ganze Tragik übergroßer Gefühle, das volle Maß enttäuschter Leidenschaft - in einem Chanson.
Die Franzosen sind Meister dieser Gattung, das beweisen berühmte Namen. Edith Piaf ist einer von ihnen. Der "Spatz von Paris", die exzessiv liebende und lebende Frau, die mit nicht einmal 48 Jahren im Oktober 1963 starb.
Sie kam von der Straße und sang für die Menschen auf der Straße. Ihre steile Karriere wurde begleitet von zahllosen Liebhabern, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, aber auch von eindeutigen patriotischen Stellungnahmen in der Zeit der deutschen Besatzer. "Mein Herz ist zu groß für einen Kerl", sang sie, immer auf der Suche nach Liebe. Sie half anderen an den Karrierestart, ließ sich aber genauso ausnutzen von einer Entourage Schmarotzer.
Im Kurhaus folgten Christa Platzer und ihre vier Musiker an Klavier, Akkordeon, Bass und Schlagzeug dem Leben dieser Sängerin, die nie eine Diva war und man fragt sich: Gibt es das? Diese Stimme ein zweites Mal?
Die Platzer vereint die eisernen Stimmbänder ihrer Protagonistin mit deren Gestaltungskraft, die sich in sparsamen Gesten erschöpfte. Sie steht vorm Mikrofon im kurzen, schwarzen Kleid, die Haare eventuell eine Idee länger und - vielleicht sieht sie der Piaf sogar ein wenig ähnlich. Oder ist die Illumination die perfekte Illusion?
Mit der Gabe der Leichtigkeit hat sie Timbre und Stimmfarben zur rechten Sekunde, die genaue Nuance an Leuchtkraft. Zwischendurch wechselt sie an den Lesetisch und gibt Auskunft über das kurze Leben, den Erfolg und die Abstürze der Sängerin.
Das sie begleitende Quartett schmiegt sich der Solistin an, ohne sich selbst zu verleugnen. Unprätentiös wie die Piaf, textklar und stimmlich allseits durchgebildet zeigt die Platzer, dass Chansongesang keine Salonkunst ist, sondern tiefer, sublimer Ausdruck intimster Wahrheiten. Hier werden in Texten Tabus gebrochen, steht eine Person mit poetischer Kraft für einen Text und eine Melodie ein. Die Piaf tat das wie alle ihre Kollegen; wie Yves Montand, Gilbert Becaud, Juliette Gréco, Charles Aznavour, wie Serge Gainsbourg ("Je t` aime"!), Jacques Brel, Jacques Dutronc.
Am besten ist Platzer bei den wunderbaren Musettewalzerbögen. Mit den biografischen Notizen gewann der Abend eine fragile Menschlichkeit. Und so singt sie "Augen, die meine Augen niederschlagen lassen..." (in der deutschen Übersetzung "Schau mich bitte nicht so an...") und "Milord", gecovert längst von Dalida, Milva oder Mathieu.
Das berühmteste Lied, das Lied der Piaf schlechthin, das "Non, je ne regrette rien" kommt zum Schluss, vor mehreren Zugaben. Auch da ist Christa Platzer noch auf der Höhe der stimmlichen Aufgaben. Das Publikum ist begeistert. Stehende Ovationen. Völlig zu Recht!

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