Pressestimmen

12.10.2004 – Nassauische Neue Presse

Unvergesslicher Abend mit Heinz Rühmann

Limburg. Ob als Pfeiffer mit drei «f», als Quax, der Bruchpilot, oder als «guter Freund»: Heinz Rühmann war über Jahrzehnte einer der beliebtesten deutschen Schauspieler. Er mimte den kleinen Mann, der gegen die Mächte und Mächtigen der Welt mit einer Prise Humor triumphiert. Noch heute, zehn Jahre nach seinem Tod, ist Rühmann für viele Menschen noch immer gegenwärtig, denn er spielte in seinen Rollen stets das alltägliche Leben, mit all dem Glück und den Niederlagen. Boris Raderschatt und das «salonorchesterweimar» fühlen sich dieser «Rühmann?schen» Tradition verpflichtet und boten in der Kleinkunstbühne Thing eine außergewöhnliche Form der Unterhaltung mit ihrer «Rühmann-Revue».

Wohl kaum einer der Thing-Gäste dürfte an diesem Abend sein Kommen bereut haben. Innerhalb von wenigen Minuten zauberte das Septett mit seiner Salonmusik einen Flair auf die Bühne, wie man ihn fast nicht mehr auf deutschen Bühnen kennt. Ruhig und beschaulich untermalten die Musiker die alten Lieder, die schon vor Jahrzehnten in Rühmanns Kinofilmen gespielt wurden.
Sänger Boris Raderschatt, im Stil seines Vorbildes Max Raabe, trug einen schwarzen Smoking, hatte die Haare glatt zurückgekämmt und sang mit einer Melancholie, dass es eine wahre Freude war. Die berühmtesten Schlager von Heinz Rühmann, Lieder wie «Ein Freund, ein guter Freund» oder das Schlaflied «La Le Lu» gehörten für ihn so selbstverständlich zum Repertoire wie auch der «Amazonas Mambo» aus Rühmanns Verwechslungsklamotte «Charleys Tante». Nach eigenen Angaben hat das Orchester die alten Stücke, die größtenteils nur als Klavierauszüge vorlagen, für die eigene Besetzung neu bearbeitet.
Rühmann hatte zu Beginn seiner Karriere großen Kummer wegen seiner geringen Körpergröße. Er packte sich deshalb Einlagen in die Schuhe, weil er für «kleine Helden» auf dem Theater keine Chancen sah. In seinen Memoiren beschrieb er amüsant, wie er zum Start seiner Laufbahn diese Einlagen prompt verlor, weil die Ferse hinten zu hoch aus dem Schuh ragte und keinen Halt mehr hatte.
Das «salonorchesterweimar» hingegen stand mit beiden Beinen fest auf dem Boden. So wurde er zur Freude des Publikums wieder lebendig, der «kleine Mann», der verschmitzt, schüchtern und oft vom Schicksal gebeutelt den vermeintlich Großen die Stirn bot. Rühmanns Glanzrollen als Bruchpilot, als Schwejk oder als Pater Brown sind einfach unvergessen oder ? wie es Lilo Pulver einmal formulierte: «Heinz Rühmann, das gab's nur einmal, das kommt nicht wieder.» Und das so viel Liebe zum Detail auch belohnt wird, wurde nicht nur in Limburg mit einem großen Schlussapplaus unter Beweis gestellt

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