Pressestimmen

20.08.2004 – Südkurier

Mir geht`s gut, ich bin froh...

Salonorchester Weimar mit Rühmann und anderen Ufa-Erinnerungen im Badgarten

Ein bisschen mehr Heinz Rühmann hätte es schon sein dürfen an diesem wunderschönen Abend im Überlinger Badgarten. Wer sich allerdings eher für den Schellackton eines Max Raabe begeistern konnte, genoss mit dem "Salonorchester Weimar" vor allem im zweiten Teil des Abends ein musikalisches Festprogramm. Eine Rühmann-Revue war als Hommage an den berühmten Schauspieler angekündigt, der im Jahr 2002 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Mit Witz, Eloquenz und hohem musikalischen Niveau interpretierten die sechs Musiker um Boris Raderschatt Schlager aus der goldenen Tonfilmära und brachten ihre frech-frivolen Texte dem amüsiert lauschenden Überlinger Publikum nahe.

"Mir gehts gut, ich bin froh und ich sag Dir auch wieso" passte haargenau zu der Stimmung, die im Parkett die Zuhörer erfasst und zum Mitsummen animiert hatte. "Die flotte Therese aus Blankenese" grüßte gewitzt von der Freilichtbühne, als "Schlepperballett von der Reperbahn" kommentiert, und der "uneheliche Stiefbruder von Frank Sinatra", Clemens Rynkowski, passte optisch dazu. "Strangers in the night" interpretierte er mit Rauch in der Stimme -und in der Dekoration. Brillant waren die Violinen mit Kristin Deeken und Claudia von Popp-Ostrowski, exzellent Martin Lenz an der Bassgeige, ebenso vorzüglich Klaus Wegener, Klarinette und Tenorsax sowie der Häfler Jürgen Schneider mit seiner gekonnten Rhythmik - gelernte Musiker eben.

Boris Raderschatt wusste zwischen Heinz Rühmann und Bundeskanzler Schröder Parallelen aufzuzeigen: "Beide haben drei Ehen hinter sich", um dann mit dem gebotenen Schmelz in der Stimme und dem markant rollenden "R" eine Dame in der ersten Reihe anzuschmachten. "Du bist nicht die Erste - meine Letzte könntest Du sein". Dann aber ging Boris wirklich zur Sache: "So ein Regenwurm hats gut" sang er und mit diesem Lied aus dem Film "Der Mann, von dem man spricht", imitierte er perfekt den leicht näselnden Ton des berühmten deutschen Mimen. "Wenn der Vater mit dem Sohne" und das berühmte Schlaflied "La le lu" waren recht stimmungsvoll, "Charleys Tante" nach der Pause im Glitzerkleid mit roter Perücke nicht jedermanns Sache. Klar, dass Boris als Staubsaugervertreter Peter Pitt überzeugte: "Ich brech die Herzen der stolzesten Fraun". Kristin Deeke gurrte mit ihrem Instrument und vollem Körpereinsatz um den Protagonisten. Schön arrangiert waren viele der Stücke des 1999 gegründeten Ensembles. Ob sie nun am "Amazonas Mambo tanzten", von der "Li li li li li Liebe" sangen, das "Schloss im Mond" sichtbar machten oder Hans Albers auferstehen ließen: "Jawoll meine Herrn!" Ganz weit zurück in die Ufafilmkiste griffen die Musiker mit Willi Fritsch und dem "Süßesten Mädel der Welt" und vergaßen auch Willi Forst nicht mit seinem unvergessenen "Bel ami".

Das Publikum konnte mitschmettern : "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern". Und schließlich das gemeinsame Bekenntnis: "Ein Freund, ein guter Freund, das ist das schönste das es gibt auf der Welt".

Und da die Nacht lau und ein Sternenhimmel über dem Badgarten ausgebreitet war, blieben viele der Gäste noch auf ein Glas und ein Gespräch über einen unterhaltsamen Abend mit sieben Musikern, die man sicher wieder einmal in Überlingen sehen und hören möchte.

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