Pressestimmen

24.02.2005 – Kronberger Bote

"Rühmann Revue"

Hommage an den großen Schauspieler des 20. Jahrhunderts

Salonmusik vom Feinsten, im Stil der 20er bis 50er Jahre, war vergangene Woche in der
Stadthalle zu hören. Die Gäste, die der Einladung des Kronberger Kulturkreises gefolgt waren, wurden nicht enttäuscht: Das Salonorchester Weimar sorgte mit seiner ?Rühmann Revue? für einen fast zweistündigen Bühnenauftritt, der sich hören und sehen ließ, und das Publikum in solcher Weise mitriss dass es manch bekannte Melodie mitsang ? einige Zuhörer aus der ersten Reihe scheuten sich
nicht einmal die eine oder andere Strophe ins Mikrofon zu singen. Kaum erstrahlte die Bühne der Stadthalle im bunten Scheinwerferlicht, betraten zwei Damen im Charlestonstil gekleidet ? mit Glitzerkleid, Federboa und Riemchenschuhen ? gefolgt von vier Herren im Stresemann die
Bühne. Die Melodie des ersten Stückes ertönte, Sänger Boris Raderschatt kam auf die Bühne geeilt, ergriff das Mikrofon, sang ?Mir geht?s gut, ich bin froh und ich sag? dir auch warum? und erklärte dem Publikum: ?Ich sing? mitunter auch im Traum?. Das mochte man dem Sänger mit den strahlend blauen Augen und einer Bühnenpräsenz, die das Publikum von der ersten Minute an fesselte und für zwei Stunden nicht mehr los ließ, gerne glauben. Nach dem ersten Lied erzählte der charmante Frontmann dem Publikum stolz von der Vorpremiere der Rühmann Revue, die am 7. März 2002 in Essen stattgefunden hatte. Jener Tag wäre der hundertste Geburtstag des Schauspielers Heinz Rühmann gewesen und so hatte die Witwe Hertha die sieben jungen Musiker eingeladen, Ausschnitte aus ihrem neuen Programm zu präsentieren. Rühmanns Witwe soll begeistert gewesen sein und im
Anschluss zu Sänger Raderschatt gesagt haben: ?Nur eins können Sie nicht so gut, sie können nicht so schön falsch singen wie mein Mann.? In seiner Hommage an den beliebten Schauspieler und Mimen des 20. Jahrhunderts ließ das Salonorchester Weimar die alten bekannten Melodien aus all den Filmen, in welchen Publikumsliebling Rühmann sang und spielte, frisch arrangiert und aufpoliert wieder aufleben. Das Publikum kannte sie alle, Lieder wie ?Wenn der Vater mit dem Sohne einmal
ausgeht?, ?Jawoll, meine Herren? und ?Ein Freund, ein guter Freund? aus dem frühen Streifen ?Die drei von der Tankstelle?. Als ?Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern? anklang, stieg der Sänger kurzerhand die ?opulente Kronberger Showbühne? hinunter. Spätestens ab diesem Moment hatte Raderschatt auch den letzten Zuhörer für sich gewonnen, durfte mit den Damen flirten, sich
den Herren auf den Schoß setzen und mit der ?gesanglichen Unterstützung? des ausgelassenen
Kronberger Publikums rechnen. Nicht nur durch die musikalische Perfektion und Professionalität des Arrangements und Vortrags überzeugten die jungen Musiker im Alter zwischen 25 und 42 Jahren. Auch enormes schauspielerisches und komödiantisches Talent zeigten die Künstler, allen voran der
sympathische Sänger und Conférencier Raderschatt und der begnadete Pianist Clemens Rynkowski. Als jüngstes Mitglied des Salonorchesters ist Rynowsky gemeinsam mit Bassist Martin Lenz, der an jenem Abend allerdings von Matthias Eichhorn vertreten wurde, für sämtliche Arrangements zuständig. Druckvoll aber nie aufdringlich und stets sehr melodiös kommen die alten Lieder im neuen
Gewand daher und geben jedem Instrument genügend Raum. So treten auch die Geigen, an die Stehgeiger alter Manier der Salonmusik erinnernd, sehr häufig in den Vordergrund. Soli geben allen Musikern Gelegenheit, ihre Virtuosität am Instrument und reichlich vorhandene Musikalität zu beweisen. Der Sänger machte nicht den Fehler, Rühmann komplett imitieren zu wollen, sondern
blieb bei seinem eigenen Stil der Interpretation. Einmal jedoch imitierte er gekonnt die nasale Art und Weise, auf welche Rühmann zu singen pflegte und erheiterte das Publikum mit ?So?n Regenwurm hat?s gut, so?n Rgenwurm hat?s fein. Der hat kein Blut und kein Herz und fühlt keinen Schmerz. So?n Regenwurm hat?s gut, so?n Regenwurm hat?s fein. Ach könnt? ich doch?n Regenwurm sein.?
Wer sich nicht mehr an Staubsaugervertreter Peter Pitt aus dem Film ?Fünf Millionen suchen einen Erben? erinnern konnte, ?sah? Rühmann spätestens an diesem Abend wieder in dieser Rolle vor sich, als Raderschatt ?Ich brech? die Herzen der stolzesten Frauen? sang. Verklemmt, unsicher und von Geigerin Kristin Deeken als Verkörperung der stolzen Frauen ?bedrängt? imitierte der Sänger den Staubsaugervertreter. Umso gelassener und männlicher wirkte er als Matrose im Stück ?Das ist die Liebe der Matrosen?, zu welchem sich die Bühne in ein Schiff verwandelte. In blaues Licht getaucht schwankte die Kronberger Bühne ? nein natürlich die Musiker ? von rechts nach links, der Bassist entlockte seinem Instrument knarrende und ächzende Töne, der Pianist ließ das Schifferklavier erklingen und saß mit dem Sänger Arm in Arm am Bühnenrand ? an der ?Reeling?, versteht sich. Man konnte meinen, ein sich im Sturm wiegendes Schiff zu hören und zu sehen und darauf eine gutgelaunte musizierende Mannschaft.
Mit dem ?Amazonas Mambo? aus der Verkleidungs- und Verwechslungskomödie ?Charleys Tante? heizte das Salonorchester dem Publikum ordentlich ein und tanzte wieder durch die Zuschauerreihen zu Füßen der ?Kronberger Showbühne?.
In einer rasanten Zeitreise durch die 20er bis 50er Jahre des letzten Jahrhunderts ließ das Salonorchester Weimar noch viele Melodien erklingen, die an jenen Mann erinnerten, der über Jahrzehnte hinweg der beliebteste deutsche Schauspieler war und wie kein anderer die Sehnsüchte und Ängste des ?kleinen Mannes? verkörperte und stellvertretend für diesen Niederlagen hinnahm und immer wieder aufstand.
Zurecht wurde das Salonorchester Weimar 2003 mit dem Oberschwäbischen Kleinkunstpreis, dem sogenannten ?Ravensburger Kupferle? ausgezeichnet und soll nun für die Auszeichnung ?Künstler des Jahres 2005? in der Sparte Salonorchester/Schlager des Gedu-Verlags nominiert sein.
Mit einem Potpourrie, leider einer zu Unrecht fast vergessenen Form der Tonkunst, wie Raderschatt bemerkte, erinnerte das Salonorchester an Superstars des deutschen UFA-Films wie Lilian Harvey, Willy Fritsch und Hans Albers. Mit dieser ?UFA-Filmbombe? zum Schluss des fulminanten Abends zeigten noch einmal alle Musiker, vor allem Klaus Wegener am Tenorsaxophon und an der Klarinette sowie Schlagzeuger Jürgen Schneider aber auch der Pianist, der Bassist, die beiden hervorragenden Geigerinnen Kristin Deeken und Claudia von Koppostrowsky neben Sänger Raderschatt ihre Professionalität und vor allem ihre Freude am Musizieren. Nach einer Zugabe entließ das begeisterte Publikum das Salonorchester unter großem Applaus und konnte sich mit vielen schönen - und wie das Orchester bewies- zeitlosen Melodien im Ohr auf den Heimweg machen.

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