Pressestimmen

05.01.2006 – Eberbacher Zeitung

War des schee

ub) Mit einem musikalischen Feuerwerk des mit dem Kleinkunstpreis "Ravensburger Kupferle 2003" ausgezeichneten Salonorchester Weimar neigte sich in der Stadthalle für viele Eberbacher das alte Jahr dem Ende zu.
Musikliebhaber freuten sich seit Tagen auf die musikalische Hommage des Salonorchester Weimar an den allseits beliebten Schauspieler und Mimen Heinz Rühmann, der am 7. März 104 Jahre alt geworden wäre.
Mit viel Witz und Charme nahm Frontmann und Sänger Boris Raderschatt gleich zu Beginn der Revue mit "Mir geht´ s gut" und "Heut´ tanzen wir, heut´ singen wir" direkten Kontakt zum anfänglich zurückhaltenden Publikum auf. Kurzweilig erzählte Raderschatt über den Auftritt des Salonorchesters Weimar bei der Geburtstagsgala zu Ehren des 100. Geburtstag von Heinz Rühmann, als seine Witwe Hertha ihn mit dem Kompliment "leider können Sie nicht so schön falsch singen wie mein Mann" bedachte. Nach dem beliebten Lied "Ich bin leidenschaftlich wie ein Casanova" leitete Raderschatt humorvoll zur verrauchten Hafenatmosphäre Hamburgs über, berichtete über die sündige Meile, die Reeperbahn, und das Publikum konnte sich nach der Davidswache, vorbeifliegende Bierflaschen und Bardamen allmählich Hans Albers und Heinz Rühmann mit der "Flotten Therese aus Hamburg- Blankenese" vorstellen. Immer wieder begeisterte das ambitionierte Geigerduo Kristin Deeken und Ludger Vollmer mit ihren überzeugenden Einlagen, die sie zur Musik der zwanziger und dreißiger Jahren gaben. Derweilen zog Charmeur Raderschatt sein Publikum immer mehr in seinen Bann. "Bleiben wir noch etwas im Brackwasser des Hamburger Hafens. Selbst Gildo Horn hat das Lied gesungen- dann können wir es auch". Und so ließ das Salonorchester, zu dem auch der Kontrabassist Martin Lentz und Klaus Wegener mit seiner Klarinette und dem Saxophon gehört, das altbekannte Lied "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern", erklingen. Stürmischen Applaus spendierten die Eberbacher Klaus Wegener für sein Klarinettensolo, der im Orchester auch von "Doctor" Jürgen Schneider am Schlagzeug und Clemens Rynkowski am Klavier begleitet wird. Raderschatt lud sein Publikum immer wieder gerne zum Mitsingen ein und erklärte ihm zuvor, warum "wir uns immer noch für die aus der Mode gekommene Musik begeistern, die bereits unsere Großeltern nachgesungen haben- eben weil sie eine Grundfeste der menschlichen Kommunikation ist, die auch die Eberbacher bewegt mit der Erkenntnis "Du kannst die Welt umwandeln mit einem Lächeln"". Nach "Strangers in the Night" und "Liebe hat Ewigkeit" erzählte Raderschatt wieder Details aus dem Leben des Hundenarres Rühmann, der bei Dreharbeiten sogar in einen Löwenkäfig ging. Vor der Probe fand der große Filmschauspieler einen Zettel in seiner Garderobe vor auf dem folgendes stand: "Guten Morgen Herr Rühmann, wir wollen Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie nicht versichert sind. Für Ihren weiteren Lebensweg wünschen wir Ihnen alles Gute". Mit dem Klassiker "So ein Regenwurm hat´ s gut" zeigte Raderschatt erstmals, dass in ihm auch ein kleiner großer Rühmann steckt, indem er sein Vorbild stimmlich perfekt imitierte. Für die eigene Besetzung des Salonorchesters wurden die oft nur als Klavierpartituren vorliegenden Melodien in sehr klare Arrangements umgearbeitet, die an große Tanzbands im Swing- und Tangostil und oftmals auch an Darbietungen von Kammerorchestern erinnerten. So erntete die etwas laute verswingte Tangoversion des berühmten Schlafliedes "La Le Lu" aus dem Film "Wenn der Vater mit dem Sohne" (1955) viel Applaus vom Publikum, das die Rühmann- Filme noch aus einer besseren Fernsehzeit kennt, in der es noch keine niveaulosen Talkshows gab.
In der zweiten Programmhälfte erschienen alle Musiker unten im Saal und begeisterten ihre Zuhörer mit einer phantastischen Darbietung von "Am Amazonas tanzt man Tango" aus dem Film "Charly´ s Tante", den Rühmann mit seiner ersten Frau Hertha Feiler drehte. Nach "Ich brech´ die Herzen der stolzesten Frau´ n", das Raderschatt im Refrain auf "mir braucht nur eine ins Auge zu hau´ n- und schon bin ich hin" umtextete, präsentierte das Salonorchester "Das ist die Liebe der Matrosen", "Du bist das süßeste Mädel der Welt" und die Melodie "Ich will ein Willy Fritsche sein". Mit einem ehemaligen Duett von Hans Albers und Heinz Rühmann aus dem Film "Der Mann der Sherlock Holmes war" ging die Darbietung aus Rühmann´s Filmwelt mit dem Lied "Jawoll meine Herrn" weiter, ehe sie mit den besten Wünschen für das Neue Jahr und einem Medley aus dem Jahr 1931, den so genannten "Ufa-Tonfilm-Bomben" endete. Mit den berühmten Zugaben "Du bist das süßeste Mädel der Welt" und "Liebling, mein Herz lässt dich grüßen", verabschiedete sich das Salonorchester Weimar nach einem sehr kurzweiligen Programm unter der Leitung des charmanten Sängers und Conférenciers Boris Raderschatt vom begeisterten Eberbacher Publikum, das sich oft zum Mitsingen einladen ließ.Manch ein Gast wäre zwar nur bei Rühmanns Schauspielerkollegen Hans Moser zum Mitsingen direkt auf die Bühne gegangen, war aber der Meinung das der Auftritt des Salonorchesters Weimar "schee war".

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