Pressestimmen

22.09.2006 – Rhein Zeitung

Eine charmante Rühmann-Revue

Salonorchester Weimar begeisterte das Publikum im Spiegelzelt ? Zahlreiche Evergreens wurden gekonnt interpretiert

Er war einer der großen deutschen Entertainer. Nun setzte sich das Salonorchester Weimar mit einer musikalischen Revue in Altenkirchen ein Denkmal.

Altenkirchen. Das Spiegelzelt und das Salonorchester Weimar ? das passt. Wohl auch deshalb war am Mittwochabend der ?Crystal Palace? erneut gefüllt, als eben jenes Orchester mit der ?Heinz-Rühmann-Revue? auf der Bühne stand. Und obwohl die Filme, aus denen die präsentierten Lieder stammen, mindestens 50 Jahre auf dem Buckel haben, sah man auch jüngere Gesichter im Publikum.
In Frack und mit Friesiercreme in den Harren ließen die männlichen Orchestermitglieder die Instrumente und Stimmen ertönen. Als Sänger und häufig auch als Komiker stand Boris Raderschatt im Vordergrund der Show. Im Paillettenkleid ließ die Erste Violinistin Kristin Deeken virtuos und sehr präsent die Saiten vibrieren.
Lieder, die fast vergessen sind, aber auch solche, deren Refrain auch heute noch viele mitsingen können, folgten. Bei ?Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern? war denn auch gleich das Publikum ins Geschehen einbezogen, eobri der dritte Laien-Interpret, dem das Mikrophon unter die Nase gehalten wurde, spontanen Applaus für seine Darbietung erhielt. Leider kein Beleg für die Sangeskunst der Altenkirchener: Der Mann kam aus Eitorf.
Der Film ?Das Narrenschiff?, der Heinz Rühmann nach Hollywood geführt hatte, war Anlass für eine Frank-Sinatra-Einlage, und im zweiten Teil kam ein Potpourri mit Ufa-Film-Liedern anderer Sänger ebenso zu Gehör wie als Zugabe der ?Bel Ami? zu Ehern Willi Fritschs.
Doch der ganze Rest der gut zweistündigen Revue war Rühmann gewidmet. Die Zuhörer wurden häufig fröhlich bis komisch, seltener melancholisch und ? natürlich ? nostalgisch auf eine Erinnerungsreise geführt. Ganz andächtig wurden die Leute bei Raderschatts Interpretation von ?La-Le-Lu? aus ?Wenn der Vater mit dem Sohne?. Zum Schluss des Wiegenliedes und des ersten Programmteils blies der Sänger Seifenblasen ins Scheinwerferlicht ? ein mit simplen Mitteln erzeugter, aber dennoch wunderschöner Effekt.

?Ach ja, der Rühmann hat ja in Charleys Tante auch mal ne Frau gespielt!? Dieser Gedanke war den Spiegelzelt-Gästen vom Gesicht abzulesen, als das Orchester nach der Pause zu Bongo- und Conga-Rhythmen wider herein wirbelte: ?Am Amazonas tanzt man Mambo? erfuhren diejenigen, die es noch nicht wussten, von einem in ein irres grünes Kleid gewandeten Sänger. Dem Komödianten Heinz Rühmann war auch die Salonorchester-Ausführung von ?Ich brech die Herzen der stolzesten Frau?n? gewidmet, in der Boris Raderschatt nicht nur Stimme und Sprache Rühmanns perfekt imitierte, sondern mit einer brüllend komischen Körpersprache noch eins draufsetzte. ?Das ist die Liebe der Matrosen? oder ?Jawoll, meine Herrn? leiteten dann über zum Ufa-Potpourri, in dem man zum Schluss des Programms noch mal so richtig schwelgen konnte. Das Publikum dankte mit anhaltendem Applaus, der nicht nur dem Sänger im Vordergrund der Show galt, sondern auch und besonders den vielen hervorragenden Instrumentalisten.

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